Prof. Dr. Hans Söder

LMU München

Goldyn gibt uns den Wald zurück, aber es ist keine Welt von gestern. Sie zeigt uns den Wald in uns. Er ist jetzt.

Wir sind in diesem Wald. Ihre Bilder und Installationen sind keine Neuinterpretationen
romantischer Landschaften. Sie zeigt uns den Wald als zu entdeckendes Neuland.
Hier gibt es keine Kutschen, hier gibt es keine Räuber, aber es gibt dort Orte,
die man in der Stadt nicht sehen kann, denn nur im Wald kann das Ich zu sich selbstfinden.

Goldyns Waldarbeiten kamen nicht als Resultat von Parkspaziergängen zu Stande.
Sie sind das Resultat eines Waldaufenthaltes, der sieben Jahre dauern sollte.
Im niederbayerischen Wald fand Sie die Ruhe, um ungestört arbeiten zu können.
Die Einsamkeit des Waldes, das vollkommene Ausscheiden aus dem Tagesgeschehen,
wurde zu einer Droge für Sie.
Der Wald wurde zu einem utopischen Ort, einem Platz zwischen Himmel und Hölle.
Es mag diese Verbindung von schwerer körperlicher Arbeit und leben in extremes gewesen sein,
die schließlich zum Ausgangpunkt ihres neuen Schaffens wurde.

Man sieht deutlich , dass sich Goldyn von der klassischen Kunst losgesagt hat.
Im Vegetativen hat sie eine neue Orientierung gefunden. In ihren Werken gibt es keinen
klassische Geometrie mehr. Die Zweige, die Stacheln, das Gestrüpp, die Kakteen,
all das sind die Bausteine einer neuen Welt . Sie streut uns Erde hin, und fordert uns auf,
ihr in ihre unverbrauchte Welt zu folgen. Letztendlich ist Goldyns Wald ein neuer Welt-
körper. Dort hat sie ein neues Menschenbild geschaffen. Bei ihr gibt es keinen Baum der
Erkenntnis, sondern nur den Wald an sich.

Dort, im utopischen Raum von Goldyn , ist die Sexualität nicht mehr nur gesellschaftliche
Polarität. Der Garten von Eden ist bei ihr zu einer anderen Utopie geworden.
Es ist ein wilder Ort voller Licht und Dunkelheit, wo Mann und Frau unkenntlich und
untrennbar und doch zur Einheit verschmolzen, gemeinsam leben

Mit ihrem Wald bringt uns K. Goldyn eine ganz neue Topografie.
Die Naturfarben schillern jetzt als psychische Farben. Hier findet man ein Rot von Leidenschaft,
von innerem Erlebnis und psychischer Intensität. Begleitet wird es von Schwarztönen, wie das
dunkle Schwarz ihrer Erde.
Die Zweige und das Gestrüpp des Waldes sind jetzt so extrem reduziert und verfremdet,
dass nur noch die Stacheln der Kakteen übrig bleiben. Die vielen Kakteen sind aber nicht
abstoßend, sondern ziehen uns durch ihre Farben und Formen näher an Goldyns
Landschaften heran. Wie das Gestrüpp den Wald undurchdringbar macht,
so schützen die Kakteen die Protagonisten in ihrer Welt.

Die Frauen und Männer erinnern an Ur-Götter, an prähistorische Symbole der Kreativität und
Fruchtbarkeit. Die Frauen zeigen sich uns mit ihren üppigen aufeinander gereihten Brüsten,
die dann durch die Vielzahl der männlichen Phalli balanciert werden.
Es ist ein Tanz der Lust zum Leben.
Am Ende ist Goldyns Wald also kein düsterer Ort, sondern eine ursprünglich,
mythologische Welt der Kreativität und des Ursprungs.



Prof. Dr. Hans Peter Söder


*Prof.Hans-Peter-Söder,Ph.D., ist Zeitforscher und Professor an der LMU-München
(Resident Direktor of Wayne State University`s Junior Program of the University of Munich)

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